{"id":1246,"date":"2026-01-01T16:22:52","date_gmt":"2026-01-01T16:22:52","guid":{"rendered":"https:\/\/marita-wiggerthale.de\/?p=1246"},"modified":"2026-01-14T22:06:21","modified_gmt":"2026-01-14T22:06:21","slug":"wir-zahlen-drauf-und-hoefe-profitieren-immer-weniger-das-ist-crazy","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/marita-wiggerthale.de\/wir-zahlen-drauf-und-hoefe-profitieren-immer-weniger-das-ist-crazy\/","title":{"rendered":"Wir zahlen drauf und H\u00f6fe profitieren immer weniger. Das ist crazy!"},"content":{"rendered":"\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"683\" src=\"https:\/\/marita-wiggerthale.de\/wp-content\/uploads\/2026\/01\/Supermarktketten-mit-Logos-1024x683.png\" alt=\"\" class=\"wp-image-1283\" srcset=\"https:\/\/marita-wiggerthale.de\/wp-content\/uploads\/2026\/01\/Supermarktketten-mit-Logos-1024x683.png 1024w, https:\/\/marita-wiggerthale.de\/wp-content\/uploads\/2026\/01\/Supermarktketten-mit-Logos-300x200.png 300w, https:\/\/marita-wiggerthale.de\/wp-content\/uploads\/2026\/01\/Supermarktketten-mit-Logos-768x512.png 768w, https:\/\/marita-wiggerthale.de\/wp-content\/uploads\/2026\/01\/Supermarktketten-mit-Logos.png 1536w\" sizes=\"auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<p>Die Supermarktketten und \u2013 teilweise &#8211; die Lebensmittelhersteller hauen uns \u00fcbers Ohr. Das ist jetzt quasi amtlich von der Monopolkommission best\u00e4tigt. Am 21. November 2025 ver\u00f6ffentlichte sie ihr <a href=\"https:\/\/monopolkommission.de\/images\/PDF\/SG\/SG%20LLK%202025\/Sondergutachten%20Lebensmittellieferkette_Monopolkommission.pdf\">Sondergutachten<\/a> \u201eWettbewerb in der Lebensmittellieferkette\u201c. Ausl\u00f6ser daf\u00fcr waren die Bauernproteste im Jahr 2024 sowie die hohen Lebensmittelpreise der letzten Jahre. Das Ergebnis: Die Macht der Supermarktketten und teilweise der Lebensmittelhersteller ist zulasten von uns Verbraucher*innen deutlich gestiegen. Gleichzeitig profitiert die Landwirtschaft immer weniger von steigenden Lebensmittelpreisen. Die Monopolkommission sieht deswegen <a href=\"https:\/\/monopolkommission.de\/de\/gutachten\/sondergutachten\/sondergutachten-auf-eigene-initiative\/484-84-sondergutachten-wettbewerb-in-der-lebensmittellieferkette.html\">akuten Handlungsbedarf<\/a>. Nun ist die Politik dran, aber auch das Bundeskartellamt und die Bundesanstalt f\u00fcr Landwirtschaft und Ern\u00e4hrung!<\/p>\n\n\n\n<p style=\"font-size:20px\"><strong>Deutliche Hinweise f\u00fcr Wettbewerbsprobleme<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Probleme im Wettbewerb gibt es immer dann, wenn ein Unternehmen einen Markt dominiert und\/oder seine Marktmacht missbraucht. Um zu beurteilen, ob die Marktkonzentration bedenkliche Ausma\u00dfe angenommen hat, werden \u00fcblicherweise folgende Marker herangezogen: 1) die Konzentrationsrate, d.h. der Summe der Marktanteile der Top 4 oder Top 6 umsatzst\u00e4rksten Konzerne, 2) der Konzentrationsindex, dem sog. <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Herfindahl-Index\">Herfindahl-Hirschmann-Index<\/a> und 3) die Preisaufschl\u00e4ge (Markups). Die Monopolkommission untersucht im Sondergutachten \u2013 haupts\u00e4chlich bei Milch, Fleisch und Getreide, wie sich die Preise, die Preisaufschl\u00e4ge und die Konzentrationsrate in Deutschland entwickelt haben. Sie analysiert ebenso, inwieweit die Unternehmen auf den verschiedenen Stufen der Lebensmittelkette in der Lage sind, ihre Kosten abzuw\u00e4lzen (Kosten\u00fcberw\u00e4lzungsrate). Jeder Marker muss im Hinblick auf seine Vor- und Nachteile gegeneinander abgewogen werden. Es kommt also auf eine Gesamtbetrachtung an. Wie sieht diese nun aus?<\/p>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\">\n<li><em>Die Marktkonzentration ist in den letzten zwei Jahrzehnten deutlich gestiegen \u2013 nicht zuletzt durch zahlreiche Fusionen. Der Anstieg der Preisaufschl\u00e4ge auf den jeweiligen Stufen der Lebensmittellieferketten (f\u00e4llt) zeitlich mit dem Anstieg der Marktkonzentration zusammen.<\/em><\/li>\n\n\n\n<li><em>Die Gewinnmargen verschieben sich immer mehr hin zu den nachgelagerten Stufen in diesen Ketten \u2013 insbesondere zu den Lebensmittelherstellern und dem Lebensmitteleinzelhandel. Die Landwirtschaft profitiert immer weniger von steigenden Lebensmittelpreisen.<\/em><\/li>\n\n\n\n<li><em>Die Verbraucherpreise sind in den letzten Jahren und insbesondere in der inflation\u00e4ren Phase nach der Pandemie enorm gestiegen [insbesondere im Vergleich zu anderen EU-L\u00e4ndern]. Die Preise, die landwirtschaftliche Betriebe f\u00fcr ihre landwirtschaftlichen Produkte bekommen, steigen hingegen in einem viel geringeren Ma\u00dfe. Diese Schere \u00f6ffnet sich immer weiter.<\/em><\/li>\n\n\n\n<li>Der <em>Prozess der zunehmenden Vertikalisierung des Lebensmitteleinzelhandels auf die Herstellerebene k\u00f6nnte eine der wichtigsten Herausforderungen f\u00fcr die Zusammenschlusskontrolle in den n\u00e4chsten Jahren darstellen. Durch die fortschreitende Pr\u00e4senz des Einzelhandels \u00fcber Handelsmarken und eigene Produktionsst\u00e4tten weitet der Handel zunehmend seine Aktivit\u00e4ten auf die Herstellerebene aus. Der Lebensmitteleinzelhandel r\u00fcckt damit n\u00e4her an die Landwirtschaft heran.<\/em><\/li>\n<\/ul>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"584\" src=\"https:\/\/marita-wiggerthale.de\/wp-content\/uploads\/2025\/12\/Kostenueberwaelzungsrate-1-1024x584.png\" alt=\"\" class=\"wp-image-1255\" srcset=\"https:\/\/marita-wiggerthale.de\/wp-content\/uploads\/2025\/12\/Kostenueberwaelzungsrate-1-1024x584.png 1024w, https:\/\/marita-wiggerthale.de\/wp-content\/uploads\/2025\/12\/Kostenueberwaelzungsrate-1-300x171.png 300w, https:\/\/marita-wiggerthale.de\/wp-content\/uploads\/2025\/12\/Kostenueberwaelzungsrate-1-768x438.png 768w, https:\/\/marita-wiggerthale.de\/wp-content\/uploads\/2025\/12\/Kostenueberwaelzungsrate-1-1536x876.png 1536w, https:\/\/marita-wiggerthale.de\/wp-content\/uploads\/2025\/12\/Kostenueberwaelzungsrate-1.png 1867w\" sizes=\"auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<p class=\"has-medium-font-size\"><strong>Wer die Macht hat, setzt die Preise<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Wie hoch die Lebensmittelpreise sind, ist f\u00fcr jeden von uns wichtig.  Wir sehen es am Kassenbon, wenn wir im Supermarkt oder im Laden an der Kasse stehen. Die Landwirte und Landwirtinnen sollten es eigentlich an den Abrechnungen der Molkereien oder der Fleischkonzerne sehen. Selbst f\u00fcr die H\u00f6fe, die ihre Lebensmittel direkt vermarkten, steckt der Preis im Lebensmittelhandel den Rahmen ab. Die Monopolkommission bringt jetzt mehr Licht ins Dunkel der Preisbildung bei Lebensmitteln. Hinter den Preisschildern am Regal stecken n\u00e4mlich nicht-sichtbare, knallharte Machtstrukturen von Konzernen im Lebensmittelmarkt. Ihre Preispolitik ist mitentscheidend daf\u00fcr, ob sich Menschen mit geringem Einkommen gesunde Lebensmittel leisten k\u00f6nnen und ob kleinere und mittlere H\u00f6fe bzw. Lebensmittelhersteller am Markt bestehen k\u00f6nnen. Ihre Preispolitik entscheidet wesentlich dar\u00fcber, ob diejenigen H\u00f6fe und Hersteller, die mehr f\u00fcr den Klima-, Umwelt- und Tierschutz tun, fair am Markt entlohnt werden. Und sie haben einen erheblichen Einfluss darauf, ob die Arbeiter*innen bei den Molkereien, Schlachth\u00f6fen und Lebensmittelherstellern oder die Saisonarbeitskr\u00e4fte auf dem Feld fair f\u00fcr ihre Arbeit entlohnt werden.<\/p>\n\n\n\n<p>Wenn wir \u00fcber Lebensmittelpreise reden, m\u00fcssen wir also \u00fcber die Macht der Supermarktketten und der Lebensmittelkonzerne reden. Die Preise sind seit 2012 insbesondere im Lebensmitteleinzelhandel auf aggregierter Ebene deutlich gestiegen. Zeitgleich gibt es eine Reihe wettbewerbsrelevanter Fusionen. Steigt die Marktkonzentration, dann steigen die Einzelhandelspreise. Die Monopolkommission verweist diesbez\u00fcglich auf <a href=\"https:\/\/marita-wiggerthale.de\/index.php\/2023\/05\/04\/lebensmitteleinzelhandel-ohne-wirksamen-wettbewerb\/\">Lademann\/Kleczka (2023)<\/a> , die zeigen, <em>dass die Einzelhandelspreise um etwa 6 Prozent steigen, wenn die Marktanteile der vier gr\u00f6\u00dften Einzelh\u00e4ndler um 10 Prozent steigen. Dieser Zusammenhang ist statistisch signifikant. [\u2026] Dass der Lebensmitteleinzelhandel \u00fcber Preissetzungsspielr\u00e4ume verf\u00fcgt, deuten auch die Ergebnisse des Renditenvergleichs zwischen Ern\u00e4hrungsindustrie und Lebensmitteleinzelhandel an. Die tendenziell h\u00f6heren Eigenkapitalrenditen im Lebensmitteleinzelhandel st\u00fctzen den Befund, dass die zunehmende Konzentration Preissetzungsspielr\u00e4ume er\u00f6ffnet hat<\/em>. Eine nachtr\u00e4gliche Untersuchung der Fusion Edeka\/Plus <em>legt nahe, dass Unternehmenszusammenschl\u00fcsse im deutschen Lebensmitteleinzelhandel negative Konsequenzen in Form h\u00f6herer Preise f\u00fcr die Verbraucherinnen und Verbraucher haben.<\/em> Es gibt auch <em>empirische Evidenz, dass die zunehmende Marktkonzentration durch den Edeka\/Plus Zusammenschluss zu h\u00f6heren Preisen f\u00fcr Milcherzeugnisse gef\u00fchrt hat.<\/em><\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"570\" src=\"https:\/\/marita-wiggerthale.de\/wp-content\/uploads\/2024\/08\/Inflation_Lebensmittel-1024x570.png\" alt=\"\" class=\"wp-image-946\" srcset=\"https:\/\/marita-wiggerthale.de\/wp-content\/uploads\/2024\/08\/Inflation_Lebensmittel-1024x570.png 1024w, https:\/\/marita-wiggerthale.de\/wp-content\/uploads\/2024\/08\/Inflation_Lebensmittel-300x167.png 300w, https:\/\/marita-wiggerthale.de\/wp-content\/uploads\/2024\/08\/Inflation_Lebensmittel-768x428.png 768w, https:\/\/marita-wiggerthale.de\/wp-content\/uploads\/2024\/08\/Inflation_Lebensmittel.png 1451w\" sizes=\"auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<p class=\"has-medium-font-size\"><br><strong>\u00dcberm\u00e4chtige Supermarktketten: Mehr Eigenmarken und mehr eigene Produktionsst\u00e4tten<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Wer kennt sie nicht: \u201cja!\u201c bei Rewe, \u201cgut und g\u00fcnstig\u201c bei Edeka, Milbona bei Lidl oder Milsani bei Aldi.-Bei Lebensmitteln ziehen Verbraucher*innen in Deutschland solche Eigenmarken gegen\u00fcber den Herstellermarken wie Coca-Cola und Nestl\u00e9 vor. Im Jahr 2023 gaben bei einer Umfrage rund<br><a href=\"https:\/\/de.statista.com\/statistik\/daten\/studie\/1403092\/umfrage\/praeferenz-markentypus-produktgruppen\/\">60 Prozent<\/a> an, dass Eigenmarken bei Lebensmitteln ihre erste Wahl w\u00e4ren. Aber aufgepasst: Foodwatch hat festgestellt, dass die Preise einiger Preiseinstiegs-Eigenmarken zwischen Januar 2022 und Januar 2023 <a href=\"https:\/\/www.foodwatch.org\/fileadmin\/-DE\/Themen\/Ernaehrungsarmut\/2023_03_17_foodwatch_Marktcheck_Eigenmarken.pdf\">doppelt so stark gestiegen<\/a> sind wie die Preise von Markenprodukten. Bei Milch(-getr\u00e4nken), Joghurt, Quark &amp; Sahneerzeugnissen betr\u00e4gt der Anteil der Eigenmarken 54,8 Prozent. Bei K\u00e4seprodukten sind es 62,7 Prozent, bei Fleischprodukten \u00fcber 60 Prozent und bei Backwaren 58,2 Prozent. Edeka, Lidl &amp; Co. nutzen Eigenmarken strategisch, um h\u00f6here Gewinnmargen zu erzielen und die gesamte Wertsch\u00f6pfungskette &#8211; von der Aushandlung der Produktionskosten bis zur Festlegung des Regalpreises \u2013 zu kontrollieren. Sie haben die <a href=\"https:\/\/www.martinkaessler.com\/die-eigenmarken-revolution-wie-handelsmarken-die-deutsche-supermarktlandschaft-neu-definieren\/\">vollst\u00e4ndige Preissetzungshoheit<\/a>. Die Geburtsstunde der Eigenmarken f\u00e4llt \u00fcbrigens in das Jahr 1961, in dem Aldi Nord- und Aldi S\u00fcd gegr\u00fcndet wurden. Zu der Zeit konnten die Lebensmittelhersteller den Kaufmannsl\u00e4den und den Superm\u00e4rkten noch den Ladenverkaufspreis ihrer Waren vorgeben. Um diese \u201e<a href=\"https:\/\/marita-wiggerthale.de\/wp-content\/uploads\/2023\/03\/FP_Kurze_Geschichte_Lebensmittelhandel6.pdf\">Preisbindung der zweiten Hand<\/a>\u201c zu umgehen, lie\u00dfen die Aldi-Br\u00fcder Karl und Theo Albrecht ihre Produkte unter eigenem Namen selbst herstellen. Das Ende der Preisbindung 1974 besiegelt das Ende der \u201eTante-Emma-L\u00e4den\u201c.<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"https:\/\/www.marktundmittelstand.de\/ratgeber\/studie-lebensmitteleinzelhandel-2025\">Eigenmarken<\/a> liegen voll im Trend. Sie werden zunehmend in eigenen Produktionsst\u00e4tten der Supermarktketten hergestellt. Durch diese \u201eVertikalisierung\u201c r\u00fccken sie immer n\u00e4her an die Landwirtschaft ran. Ein Paradebeispiel ist Fleisch. In den eigenen Fleischwerken wie der Edeka S\u00fcdwest Fleisch GmbH l\u00e4sst Edeka Fleisch zerlegen, verarbeiten und verpacken, das in seinen M\u00e4rkten unter der Marke \u201eGut &amp; G\u00fcnstig\u201c direkt verkauft wird. Ebenso h\u00e4lt es Rewe mit der Tochterfirma Wilhelm Brandenburg, die Fleisch- und Wurstwaren f\u00fcr die Eigenmarken wie \u201eWilhelm Brandenburg\u201c, \u201eja!\u201c und \u201eRewe Beste Wahl\u201c produziert und \u00fcber die eigene Logistik in ihre Filialen liefern l\u00e4sst. Die Supermarktketten verleiben sich auch immer mehr Lebensmittelhersteller durch \u00dcbernahmen ein. Im Sondergutachten wird auf Beispiele aus der j\u00fcngeren Vergangenheit verwiesen. Dazu z\u00e4hlen die \u00dcbernahme des Mineralwasserherstellers Altm\u00fchltaler Mineralbrunnen durch Aldi, der Kauf des Nudelherstellers Erfurter Teigwaren durch die Schwarz-Gruppe, die \u00dcbernahme des Getr\u00e4nkegro\u00dfh\u00e4ndlers Trinks durch Rewe sowie die \u00dcbernahme der Molkerei Uckerm\u00e4rker Milch durch Edeka. <em>Durch diese gezielte Integration kontrolliert der Lebensmitteleinzelhandel wesentliche Teile der Verarbeitungs-, Distributions- und Vermarktungsprozesse.<\/em> Die Monopolkommission warnt, dass sich <em>potenziell die hohe Marktkonzentration des Einzelhandels im Endverbrauchermarkt wie auch im Verarbeitungsmarkt negativ auf die Landwirtschaft auswirken<\/em> k\u00f6nnte. Edeka, Lidl &amp; Co. k\u00f6nnen ihre ohnehin schon sehr starke Position im Lebensmittelmarkt als \u201eGatekeeper\u201c ausbauen.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"683\" src=\"https:\/\/marita-wiggerthale.de\/wp-content\/uploads\/2026\/01\/Supermarktketten-Eigenmarken-1024x683.png\" alt=\"\" class=\"wp-image-1284\" srcset=\"https:\/\/marita-wiggerthale.de\/wp-content\/uploads\/2026\/01\/Supermarktketten-Eigenmarken-1024x683.png 1024w, https:\/\/marita-wiggerthale.de\/wp-content\/uploads\/2026\/01\/Supermarktketten-Eigenmarken-300x200.png 300w, https:\/\/marita-wiggerthale.de\/wp-content\/uploads\/2026\/01\/Supermarktketten-Eigenmarken-768x512.png 768w, https:\/\/marita-wiggerthale.de\/wp-content\/uploads\/2026\/01\/Supermarktketten-Eigenmarken.png 1536w\" sizes=\"auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<p class=\"has-medium-font-size\"><strong>Wo sieht die Monopolkommission akuten Handlungsbedarf?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Fest steht, es gibt heute <em>erhebliche Machtungleichgewichte<\/em>, die offensichtlich vom Bundeskartellamt \u00fcber all die Jahre nicht verhindert wurden. Der fr\u00fchere Pr\u00e4sident des Bundeskartellamts Wolfang Kartte hatte <a href=\"https:\/\/marita-wiggerthale.de\/wp-content\/uploads\/2023\/03\/FP_Kurze_Geschichte_Lebensmittelhandel6.pdf\">bereits Anfang der 1980er Jahre<\/a> gewarnt, dass in Zukunft f\u00fcnf oder sechs Handelsgiganten dar\u00fcber entscheiden w\u00fcrden, was am Sonntag in den Kochtopf kommt. Und er sollte Recht behalten. Edeka, Rewe, die Schwarz-Gruppe und Aldi kontrollieren heute <a href=\"https:\/\/monopolkommission.de\/de\/gutachten\/sondergutachten\/sondergutachten-auf-eigene-initiative\/484-84-sondergutachten-wettbewerb-in-der-lebensmittellieferkette.html\">rund 85 Prozent<\/a> des Lebensmitteleinzelhandels. In den Jahren 2017 bis 2023 hatte das Bundeskartellamt noch 71 Zusammenschl\u00fcsse im Lebensmitteleinzel-handel zu pr\u00fcfen, <em>von denen einige mit Nebenbestimmungen, die meisten aber unbedingt freigegeben wurden<\/em>. Hinzu kommen 279 auf der Ebene der lebensmittelverarbeitenden Industrie, die auch <em>ganz \u00fcberwiegend freigegeben wurden<\/em>. Aber was ist nun zu tun? Die Monopolkommission empfiehlt, Fusionen sch\u00e4rfer zu pr\u00fcfen und wirksam gegen den Machtmissbrauch vorzugehen.  Wichtig erscheinen mir insbesondere folgende Empfehlungen:<\/p>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\">\n<li><strong>Kl\u00e4ger besser sch\u00fctzen: <\/strong>Einzelne Landwirte oder Lebensmittelhersteller schrecken vor Beschwerden beim Bundeskartellamt oder bei der Bundesanstalt f\u00fcr Landwirtschaft und Ern\u00e4hrung (BLE) zur\u00fcck, weil sie Angst vor Vergeltungsma\u00dfnahmen haben (\u201eKlima der Angst\u201c). Abhilfe sollen Verbandsklagerechte schaffen, die eingef\u00fchrt bzw. ausgeweitet werden m\u00fcssten. <em>Von Verst\u00f6\u00dfen Betroffene m\u00fcssten dann nicht mehr selbst den Rechtsweg beschreiten, sondern dies k\u00f6nnte anonymisiert \u00fcber ihre Interessenverb\u00e4nde erfolgen<\/em>. Gleichzeitig sollte in \u00a7 33 <a href=\"https:\/\/dejure.org\/gesetze\/GWB\">GWB<\/a> (Gesetz gegen Wettbewerbsbeschr\u00e4nkungen) ein Feststellungsanspruch erg\u00e4nzt werden, der durch Verb\u00e4nde von Lieferanten geltend gemacht werden kann. <em>Der klagende Verband m\u00fcsste dabei nur die Relevanz der missbr\u00e4uchlichen Praktik darlegen, um sein Feststellungsinteresse zu belegen<\/em>. Ebenfalls sollte im Agrarorganisationen- und Lieferkettengesetz (<a href=\"https:\/\/www.gesetze-im-internet.de\/agrarmsg\/index.html#BJNR091710013BJNE002201119\">AgrarOLkG<\/a>) neben einem Feststellungsanspruch auch ein Unterlassungs- und Beseitigungsanspruch vorgesehen werden. Dann k\u00f6nnen Verb\u00e4nde n\u00e4mlich <em>verlangen, dass die missbr\u00e4uchliche Praktik abgestellt und\/oder zuk\u00fcnftig unterlassen wird<\/em>.<\/li>\n<\/ul>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\">\n<li><strong>Vertikale und markt\u00fcbergreifende Effekte bei Fusionen besser erfassen: <\/strong>Fusionen sollten st\u00e4rker unter die Lupe genommen werden, weil sie die Marktkonzentration und potenziell missbr\u00e4uchliches Verhalten verst\u00e4rken. Denn die Fusionskontrolle wird <em>in der Praxis nicht immer den Marktrealit\u00e4ten mit der inzwischen an vielen Stellen gestiegenen Konzentration gerecht. Es spricht viel daf\u00fcr, dass es \u00f6fter als bislang angenommen durch Zusammenschl\u00fcsse zu einer erheblichen Behinderung wirksamen Wettbewerbs kommt. [\u2026] Der einzelfallbezogene Ansatz der Zusammenschlusskontrolle, der Absatz- und Beschaffungsm\u00e4rkte separat in den Blick nimmt, ist nicht in der Lage, die lieferketten\u00fcbergreifenden Effekte angemessen zu erfassen. <\/em>Wichtig ist, dass bei der Pr\u00fcfung sowohl die Wettbewerbskr\u00e4fte, die auf einzelne Filialen oder Standorte wirken, als auch markt\u00fcbergreifende Faktoren angemessen ber\u00fccksichtigt werden. Deshalb sollte die Analyse der markt\u00fcbergreifenden Effekte <em>gleichberechtigt neben der Abgrenzung und Untersuchung lokaler M\u00e4rkte stehen<\/em>. Gleichzeitig sollte das Bundeskartellamt <em>vertikale Beziehungen in der Lebensmittellieferkette und die Nachfragemacht der Abnehmer genauer in den Blick nehmen<\/em>. Eine strengere Fusionskontrolle w\u00fcrde nach Einsch\u00e4tzung der Monopolkommission <em>Preisaufschl\u00e4ge sowie die beobachteten Preisdivergenzen begrenzen.<\/em><\/li>\n<\/ul>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-full\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"800\" height=\"500\" src=\"https:\/\/marita-wiggerthale.de\/wp-content\/uploads\/2023\/04\/too-big-to-control.png\" alt=\"\" class=\"wp-image-784\" srcset=\"https:\/\/marita-wiggerthale.de\/wp-content\/uploads\/2023\/04\/too-big-to-control.png 800w, https:\/\/marita-wiggerthale.de\/wp-content\/uploads\/2023\/04\/too-big-to-control-300x188.png 300w, https:\/\/marita-wiggerthale.de\/wp-content\/uploads\/2023\/04\/too-big-to-control-768x480.png 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 800px) 100vw, 800px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<p class=\"has-medium-font-size\"><strong>Wie kann die Fusionskontrolle versch\u00e4rft werden?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Der Lebensmitteleinzelhandel ist bereits hochkonzentriert, das Kind ist sp\u00e4testens Anfang 2000er Jahre in den Brunnen gefallen. Es ist m\u00f6glich, dass noch \u00dcbernahmen der ein oder anderen kleineren Supermarktkette das Bundeskartellamt besch\u00e4ftigen wird. So bietet Tegut anderen H\u00e4ndlern offenbar mittlerweile rund <a href=\"https:\/\/www.lebensmittelzeitung.net\/handel\/nachrichten\/sanierungsprozess-tegut-siebt-noch-mehr-filialen-aus-187223\">50 Standorte zur \u00dcbernahme<\/a> an. Zudem wollen sich die Edeka-Regionalgenossen-schaften <a href=\"https:\/\/www.lebensmittelzeitung.net\/handel\/nachrichten\/zusammenschluss-edeka-nord-und-rhein-ruhr-planen-fusion-186720\">Rhein-Ruhr und Nord<\/a> zu einem Unternehmen zusammenschlie\u00dfen. Die Monopolkommission moniert, dass das Bundeskartellamt <em>auch immer wieder die weitere Verst\u00e4rkung der vier f\u00fchrenden Gruppen ohne weitere Ma\u00dfnahmen akzeptiert. Zusammenschl\u00fcsse sollten bereits untersagt werden, die auch nur in geringem Umfang zur Verst\u00e4rkung einer solchen marktbeherrschenden Stellung beitragen<\/em>. Es bleibt spannend, wie sich das Bundeskartellamt verhalten wird. Die von der Monopolkommission empfohlene strengere Fusionskontrolle betrifft vor allen Dingen 1) \u00dcbernahmen von Lebensmittelherstellern durch Supermarktketten und 2) Fusionen innerhalb der Agrar- und Ern\u00e4hrungsindustrie. Um das von der Monopolkommission verfolgte Ziel, die <em>Preisaufschl\u00e4ge sowie die beobachteten Preisdivergenzen begrenzen<\/em>, sind weitergehende, strukturelle Ma\u00dfnahmen erforderlich. Diese werden von der Monopolkommission durchaus selbst im Kontext von erheblichen Machtungleichgewichte beschrieben, spiegeln sich aber nicht in ihren eigenen Vorschl\u00e4gen wider.<\/p>\n\n\n\n<ol class=\"wp-block-list\">\n<li><strong>\u00dcbernahmen von Lebensmittelherstellern durch Supermarktketten<\/strong><\/li>\n<\/ol>\n\n\n\n<p>Die Monopolkommission sieht im Prozess der zunehmenden Vertikalisierung des Lebensmitteleinzelhandels auf die Herstellerebene zu Recht <em>eine der wichtigsten Herausforderungen f\u00fcr die Zusammenschlusskontrolle in den n\u00e4chsten Jahren<\/em>. Die Grenze zwischen gro\u00dfen Supermarktketten, die Lebensmittel verkaufen, und Herstellern von Lebensmitteln verschwimmt immer mehr. Interessanterweise wird eine <a href=\"https:\/\/netzpolitik.org\/2019\/neue-wettbewerbsregeln-fuer-die-plattformoekonomie\/\">strukturelle Auftrennung<\/a> von M\u00e4rkten in erster Linie bei digitalen M\u00e4rkten diskutiert. In mehreren L\u00e4ndern gibt es Bem\u00fchungen in diese Richtung. Die klarste strukturelle Trennung gibt es in Indien. Das Land verbietet Unternehmen wie <a href=\"https:\/\/www.reuters.com\/business\/retail-consumer\/amazon-lobbies-indian-government-exempt-exports-foreign-investment-rules-sources-2025-08-22\/\">Amazon und Walmart<\/a>, Waren auf Lager zu halten und direkt an Verbraucher*innen zu verkaufen. Sie d\u00fcrfen nur einen E-Commerce-Marktplatz betreiben, um K\u00e4ufer und Verk\u00e4uferin gegen eine Geb\u00fchr miteinander zu verbinden. Vertikale Fusionen werden fast nie untersagt, selbst in der EU nicht. Den kartellrechtlichen <a href=\"https:\/\/eur-lex.europa.eu\/LexUriServ\/LexUriServ.do?uri=OJ:C:2008:265:0006:0025:de:PDF\">EU-Leitlinien<\/a> zufolge geben vertikale Fusionen <em>in der Regel weniger Anlass zu Wettbewerbsbedenken als horizontale Fusionen. <\/em>Denn, sie reduzieren nichtdie Anzahl der Wettbewerber in einem Markt und bieten erheblichen Spielraum f\u00fcr Effizienzgewinne. Selbst die au\u00dfergew\u00f6hnliche Untersagung bzw. Sanktionierung der vertikalen Fusion <a href=\"https:\/\/www.klgates.com\/Illumina\/GrailThe-Dawn-of-a-New-Era-for-Global-Merger-Control-10-27-2022\">Illumina\/Grail<\/a> wurde vom <a href=\"https:\/\/www.linklaters.com\/insights\/blogs\/linkingcompetition\/2024\/september\/copy-of-illumina-grail\">Europ\u00e4ischen Gerichtshof<\/a> einkassiert. Da vertikale Fusionen kartellrechtlich bislang nur sehr schwer zu untersagen sind, verlagert sich die Regulierung de facto auf ex-ante oder investitionsrechtliche Trennungen. Es ist nun an der Zeit, dies auch im Lebensmittelbereich zu diskutieren. Dar\u00fcber hinaus ist es erforderlich, Schwellenwerte und Untersagungskriterien f\u00fcr vertikale Fusionen zu entwickeln.<\/p>\n\n\n\n<ol start=\"2\" class=\"wp-block-list\">\n<li><strong>Fusionen innerhalb der Agrar- und Ern\u00e4hrungsindustrie<\/strong><\/li>\n<\/ol>\n\n\n\n<p>Ab und zu untersagt das Bundeskartellamt Fusionen, wie j\u00fcngst bei der <a href=\"https:\/\/www.bundeskartellamt.de\/SharedDocs\/Meldung\/DE\/Pressemitteilungen\/2025\/06_12_2025_Vion_Toennies.html\">\u00dcbernahme der Vion-Schlacht-h\u00f6fe durch T\u00f6nnies<\/a>. Gleichwohl ist im Fleischsektor bereits ein <em>Trend zu st\u00e4rkerer Marktkonzentration erkennbar<\/em>. Die sechs gr\u00f6\u00dften Konzerne kontrollieren mehr als 64 Prozent der Schweine- und Rinderschlachtung und knapp 80 Prozent der Gefl\u00fcgelindustrie. Die PHW-Gruppe hat allein etwa einen Anteil von rund 40 bis 50 Prozent am gesamten Gefl\u00fcgelmarkt, in der Schweineschlachtung f\u00fchrt T\u00f6nnies mit knapp 30 Prozent. Die Zur-M\u00fchlen-Gruppe &#8211; mit ihren Marken B\u00f6klunder oder Gutfried &#8211; ist Teil der T\u00f6nnies-Gruppe und bereits der gr\u00f6\u00dfte deutsche Wursthersteller. Sie \u00fcbernahm den zweitgr\u00f6\u00dften Anbieter The Family Butcher. <em>In einigen Wurstsegmenten liegen die Marktanteile nach dem Zusammenschluss bei \u00fcber 40 Prozent und damit oberhalb der gesetzlichen Vermutungsschwelle f\u00fcr eine Marktbeherrschung.<\/em> Das Bundeskartellamt hat die <a href=\"https:\/\/www.bundeskartellamt.de\/SharedDocs\/Meldung\/DE\/Pressemitteilungen\/2025\/09_18_2025_PFG_TFB.html\">\u00dcbernahme trotzdem freigegeben<\/a> und dabei unter anderem auf die vertikale Integration des Lebensmitteleinzelhandels hingewiesen. Dieses Beispiel beweist einmal mehr, dass der bestehende wettbewerbsrechtliche Rahmen offensichtlich nicht ausreicht, um marktbeherrschende Strukturen wirksam zu begrenzen. Um solche Fusionen in Zukunft zu verhindern, m\u00fcssten die <a href=\"https:\/\/marita-wiggerthale.de\/wp-content\/uploads\/2023\/03\/kommentierung_gwb-digitalisierungsgesetz.pdf\">Schwellenwerte<\/a> f\u00fcr die Vermutung einer marktbeherrschenden Stellung deutlich abgesenkt und die Unternehmensgr\u00f6\u00dfe geb\u00fchrend ber\u00fccksichtigt werden.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"517\" src=\"https:\/\/marita-wiggerthale.de\/wp-content\/uploads\/2023\/03\/unfair2-1024x517.png\" alt=\"\" class=\"wp-image-353\" srcset=\"https:\/\/marita-wiggerthale.de\/wp-content\/uploads\/2023\/03\/unfair2-1024x517.png 1024w, https:\/\/marita-wiggerthale.de\/wp-content\/uploads\/2023\/03\/unfair2-300x152.png 300w, https:\/\/marita-wiggerthale.de\/wp-content\/uploads\/2023\/03\/unfair2-768x388.png 768w, https:\/\/marita-wiggerthale.de\/wp-content\/uploads\/2023\/03\/unfair2.png 1223w\" sizes=\"auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<p class=\"has-medium-font-size\"><strong>Wie kann die Missbrauchskontrolle versch\u00e4rft werden?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Die Monopolkommission h\u00e4lt \u00c4nderungen im Kartellrecht f\u00fcr nicht erforderlich. Eine \u00c4nderung der Entscheidungspraxis des Bundeskartellamts erscheint aber ohne entsprechende Gesetzes\u00e4nderung unwahrscheinlich, zumal das Risiko hoch ist, dass die Gerichte die Entscheidung nicht mittragen. Als Follow-up zum Sondergutachten w\u00e4re es folglich hilfreich, verschiedene Optionen zu identifizieren, die verh\u00e4ltnism\u00e4\u00dfig, umsetzbar und wirksam sind. Eine Option k\u00f6nnte sein, einen neuen \u00a720a GWB einzuf\u00fchren, um die missbr\u00e4uchliche Nutzung der vertikalen Integration in der Lebensmittelkette zu verhindern. Dies k\u00f6nnte beispielsweise die Selbstbevorzugung von Eigenmarken bzw. eigenen Erzeugnissen oder Gesch\u00e4ftsbereichen betreffen. Sei es bei der Werbung, bei der Preisfestsetzung oder bei der Auslage im Regal. Spezifische Regeln im Lebensmittelbereich sind dem Kartellrecht nicht fremd. Erg\u00e4nzt werden k\u00f6nnte dieser neue Missbrauchstatbestand mit dem Vorschlag von Haucap, Podszun et al. aus dem Jahr 2023, den Ausbeutungsmissbrauch zu konkretisieren. Ein Missbrauch l\u00e4ge demnach beispielsweise vor, <em>wenn die Einkaufspreise \u201enicht zumindest die Kosten der Produktion beinhalten\u201c oder \u201ewenn ein marktbeherrschendes Unternehmen seinen Zulieferern nur so geringe Preise zahlt, dass es diesen nicht m\u00f6glich ist, die eigenen externen Effekte zu internalisieren oder ganz zu vermeiden\u201c (siehe <\/em>MB5 &amp; MB6 in <em>\u201c<\/em><a href=\"https:\/\/www.bundeswirtschaftsministerium.de\/Redaktion\/DE\/Publikationen\/Studien\/studie-wettbewerb-und-nachhaltigkeit.html\">Wettbewerb und Nachhaltigkeit in Deutschland und der EU<\/a>\u201c).<\/p>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\">\n<p><strong>Exkurs: Rechte von Organisationen und Gewerkschaften im Kartellrecht st\u00e4rken<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p style=\"font-size:15px\">Organisationen, die Verbraucher*innen, Arbeiter*innen oder Erzeuger*innen mit einer geringen Verhandlungsmacht innerhalb von Wertsch\u00f6pfungsketten vertreten, sollten ein Antragsrecht auf die Einleitung eines Verfahrens des Bundeskartellamts erhalten. Ein Beispiel ist der Fall \u201e<a href=\"https:\/\/www.gov.uk\/cma-cases\/loyalty-penalty-super-complaint\">Loyalty penalty\u201c super-complaint<\/a> der britischen Wettbewerbsbeh\u00f6rde CMA. Dar\u00fcber hinaus k\u00f6nnte Antragstellern im Kartellrecht erg\u00e4nzend das Recht einger\u00e4umt werden, eine Unt\u00e4tigkeitsbeschwerde bzw. <a href=\"https:\/\/marita-wiggerthale.de\/wp-content\/uploads\/2023\/03\/kommentierung_gwb-digitalisierungsgesetz.pdf\">Unt\u00e4tigkeitsr\u00fcge<\/a> zu erheben, sofern das Bundeskartellamt trotz Vorliegen von Tatbestandsvoraussetzungen keinen Gebrauch von seiner Kompetenz macht. Dies ist ein normales und <a href=\"https:\/\/www.juraforum.de\/lexikon\/untaetigkeitsbeschwerde\">rechtsbew\u00e4hrtes<\/a> Mittel gegen\u00fcber Gerichten, Anw\u00e4lten und Beh\u00f6rden. <br>Zudem sollte die Funktion eines unabh\u00e4ngigen <a href=\"https:\/\/competition-policy.ec.europa.eu\/hearing-officers_en?prefLang=de\">Anh\u00f6rungsbeauftragten<\/a> eingef\u00fchrt werden, \u00e4hnlich wie in der EU. Die Stelle w\u00fcrde \u00fcber Antr\u00e4ge auf Anh\u00f6rung Dritter im Verfahren entscheiden. Solche Antr\u00e4ge k\u00f6nnten direkt beim Anh\u00f6rungsbeauftragten ein gereicht werden.<\/p>\n<\/blockquote>\n\n\n\n<p>Auch bei den Regeln zu Vertragsverhandlungen besteht akuter Handlungsbedarf. Sie sind letzten Endes <em>der Preis f\u00fcr die erheblichen Machtungleichgewichte<\/em>. <mark style=\"background-color:rgba(0, 0, 0, 0)\" class=\"has-inline-color has-vivid-red-color\"><em>W\u00fcrden diese [erheblichen Machtungleichgewichte] strukturell beseitigt, bed\u00fcrfte es der Regelungen nicht,<\/em> <\/mark>erkl\u00e4rt die Monopolkommission<em><strong>. <\/strong><\/em>Das ist mit Blick auf die Handlungsans\u00e4tze eine der wichtigsten Aussagen im gesamten Sondergutachten. Solange die fortschreitende Marktkonzentration also nicht verhindert und vermachtete M\u00e4rkte nicht aufgebrochen werden, wird es weiterhin spezifischere Eingriffe geben m\u00fcssen. Dazu z\u00e4hlt das Agrarorganisationen- und Lieferkettengesetz (<a href=\"https:\/\/www.gesetze-im-internet.de\/agrarmsg\/index.html#BJNR091710013BJNE002702119\">AgrarOLkG<\/a>) vom Juni 2021, das zum Schutz von landwirtschaftlichen Betrieben einige unfaire Handelspraktiken verbietet. Damit hat Deutschland die EU-Richtlinie (EU) 2019\/633 \u00fcber unlautere Handelspraktiken (kurz <a href=\"https:\/\/eur-lex.europa.eu\/legal-content\/DE\/TXT\/?uri=CELEX:32019L0633\">UTP-Richtlinie<\/a>), die am 17. April 2019 verabschiedet wurde, in nationales Recht umgesetzt. Einige Verbote wurden erg\u00e4nzt. Der <a href=\"https:\/\/www.bmleh.de\/SharedDocs\/Downloads\/DE\/_Internationales\/aussenwirtschaftspolitik\/evaluierungsbericht-agrarolkg.pdf?__blob=publicationFile&amp;v=9\">Evaluierungsbericht<\/a>, der dem Bundestag im November 2023 vorgelegt wurde, best\u00e4tigt grunds\u00e4tzlich die Wirksamkeit des Gesetzes. <em>Vertr\u00e4ge wurden angepasst und verbotene Handelspraktiken kommen weniger h\u00e4ufig zur Anwendung<\/em>. Dennoch werden verbotene unfaire Handelspraktiken weiterhin angewendet. 2024 wurde den einzelnen Verboten ein Umgehungsverbot hinzugef\u00fcgt (\u201ekleine Generalklausel\u201c).<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"576\" src=\"https:\/\/marita-wiggerthale.de\/wp-content\/uploads\/2026\/01\/Schere--1024x576.png\" alt=\"\" class=\"wp-image-1306\" srcset=\"https:\/\/marita-wiggerthale.de\/wp-content\/uploads\/2026\/01\/Schere--1024x576.png 1024w, https:\/\/marita-wiggerthale.de\/wp-content\/uploads\/2026\/01\/Schere--300x169.png 300w, https:\/\/marita-wiggerthale.de\/wp-content\/uploads\/2026\/01\/Schere--768x432.png 768w, https:\/\/marita-wiggerthale.de\/wp-content\/uploads\/2026\/01\/Schere--1536x864.png 1536w, https:\/\/marita-wiggerthale.de\/wp-content\/uploads\/2026\/01\/Schere-.png 1775w\" sizes=\"auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<p>Die Monopolkommission will die Durchsetzung des AgrarOLkG verbessern, das ist gut so. Zudem erkl\u00e4rt sie: <em>Unternehmen, die durch einen gemeinsamen Einkauf \u00fcber entsprechende Nachfrage-macht verf\u00fcgen, sollten \u2013 wie im Kartellrecht203 \u2013 entsprechend der damit korrespondierenden Ums\u00e4tze kollektiv eingestuft werden.<\/em> Unverst\u00e4ndlich ist hingegen, dass sie das Gesetz in der Regel auf Lieferverh\u00e4ltnisse beschr\u00e4nken will, an denen landwirtschaftliche Betriebe unmittelbar beteiligt sind. Der Preis- und Kostendruck entlang der Lieferkette ist vielfach in Studien beschrieben worden. Zivilgesellschaftliche Organisationen &#8211; wie zuletzt Oxfam und das Forum Fairer Handel in <a href=\"https:\/\/www.oxfam.de\/system\/files\/documents\/2025-11\/oxfam-ffh-marktmacht-supermaerkte.pdf\">\u201eAusgequetscht wie eine Zitrone\u201c<\/a> &#8211; fordern eine Generalklausel, eine weisungsfreie Ombudsstelle, ein Gebot kostendeckender Einkaufspreise und eine Preis- &amp; Margenbeobachtungsstelle. Die Verbraucherzentrale Bundesverband hat eine <a href=\"https:\/\/www.vzbv.de\/sites\/default\/files\/2024-09\/2024-08-29_Machbarkeitsstudie_Preisbeobachtungsstelle.pdf\">Machtbarkeitsstudie<\/a> zu einer Preisbeobachtungsstelle herausgegeben. Auch die <a href=\"https:\/\/www.bundestag.de\/resource\/blob\/1011182\/97ef719d766d71731b55b6af9a453e79\/06_Stellungnahme_NGG_oeA_01-07-2024.pdf\">Gewerkschaft NGG<\/a> fordert mehr Preistransparenz und eine Generalklausel. Sie weist zudem auf die notwendige Ausweitung des Anwendungsbereichs hin, um kleinere Unternehmen nicht zu benachteiligen.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Liste der verbotenen unfairen Handelspraktiken sollte regelm\u00e4\u00dfig aktualisiert werden, da  Edeka, Rewe &amp; Co. die bestehenden Verbote umgehen oder einfach mit neuen Handelspraktiken die Lieferanten abkassieren. Zus\u00e4tzlich k\u00f6nnte eine Obergrenze f\u00fcr Zahlungen der Lieferanten an die Supermarktketten nach griechischem Vorbild eingef\u00fchrt werden. Die Lieferanten d\u00fcrften maximal 3 Prozent R\u00fcckverg\u00fctung auf den offiziellen Einkaufspreis gew\u00e4hren. Folgendes Beispiel veranschaulicht, wie es funktioniert. Ohne eine Regelung zahlt die Supermarktkette einen Euro f\u00fcr ein Kilo Bananen, sie erh\u00e4lt am Jahresende Zahlungen in Form von R\u00fcckverg\u00fctungen bzw. unfairen Handelspraktiken in H\u00f6he von 0,20 Euro\/kg vom Lieferanten zur\u00fcck. Das hei\u00dft, der eigentliche Einkaufspreis der Supermarktkette betr\u00e4gt 0,80 Euro. Mit griechischer 3 Prozent-Regel d\u00fcrfte der Lieferant nur maximal 0,03 Euro\/kg zur\u00fcckverg\u00fcten. Der Einkaufspreis betr\u00fcge also 0,97 Euro\/kg. In Griechenland sind die Lieferanten von frischen Lebensmitteln wie Obst, Gem\u00fcse, Fleisch und Fisch verpflichtet, ihre Preise an die Supermarktketten netto auszuweisen, also inklusive aller Rabatte, R\u00fcckverg\u00fctungen oder Boni. Die Vorteile sind: die Preistransparenz wird verbessert und die Lieferanten sind besser gesch\u00fctzt.<\/p>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\">\n<p><strong>Exkurs: Margenlimit in Zeiten \u00fcberh\u00f6hter Preise<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p style=\"font-size:15px\">Wenn die Preise in einer Krise rasant in die H\u00f6he steigen, k\u00f6nnen Supermarktketten die Krise ausnutzen, um willk\u00fcrlich \u00fcberh\u00f6hte Preise festzulegen und so ihre Gewinnmargen aufzubl\u00e4hen. In solchen Situationen sollte nach griechischem Vorbild ein Limit f\u00fcr Gewinnaufschl\u00e4ge eingef\u00fchrt werden. Die Marge k\u00f6nnte so nicht \u00fcber ein normales Referenzniveau steigen. <a href=\"https:\/\/rm.coe.int\/greece-ad-hoc-report-on-the-cost-of-living-crisis\/1680ae13f8\">Griechenland<\/a> hatte bereits zu Coronazeiten ein Margenlimit f\u00fcr Lebensmittel, Reinigungsmittel, Babyartikel, Treibstoffe und sp\u00e4ter auch f\u00fcr Schulartikel und Haushaltsger\u00e4te eingef\u00fchrt. Im Jahr 2021 wurde es gesetzlich verankert und bis 30. Juni 2025 verl\u00e4ngert.<\/p>\n<\/blockquote>\n\n\n\n<p class=\"has-medium-font-size\"><strong>Warum das Bundeskartellamt eine Sektoruntersuchung durchf\u00fchren sollte<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Die Anforderungen f\u00fcr die Einleitung einer Sektoruntersuchung <a href=\"https:\/\/www.bundeswirtschaftsministerium.de\/Redaktion\/DE\/Publikationen\/Studien\/studie-wettbewerb-und-nachhaltigkeit.html\">sind nicht hoch<\/a> , zumal das Bundeskartellamt diese sogar auch auf vermutete Verbraucherrechtsverst\u00f6\u00dfe st\u00fctzen kann. Generell sind Sektoruntersuchungen auf Preisentwicklungen und Wettbewerbs- respektive Verbraucherthemen ausgerichtet <em>(<\/em><a href=\"https:\/\/www.gesetze-im-internet.de\/gwb\/__32e.html\"><em>\u00a732e Abs. 5 GWB<\/em><\/a><em>).<\/em> Das Thema Lebensmittelpreise und die Macht des Lebensmitteleinzelhandels passen also zu 100 Prozent zum Format der Sektoruntersuchung. Das Bundeskartellamt k\u00f6nnte den Verbraucher*innen in Deutschland demonstrieren, dass ihre Sorgen bzw. Anliegen bei der Beh\u00f6rde bestens aufgehoben sind. Bei der repr\u00e4sentativen Studie \u201eDie Angst der Deutschen 2024\u201c belegt die Angst vor <a href=\"https:\/\/www.ruv.de\/newsroom\/themenspezial-die-aengste-der-deutschen\/pressemitteilungen\/2024-10-09-studie-aengste-der-deutschen\">steigenden Lebenshaltungskosten<\/a> Platz 1. Diese Furcht hat \u00f6fter als jede andere Angst die Langzeitstudie dominiert. In den letzten 30 Jahren lag sie insgesamt 14-mal auf Platz eins und siebenmal auf Platz zwei. Der Handlungsbedarf ist akut, wie der weiterhin steigende Verbraucherindex des Statistischen Bundesamts f\u00fcr Nahrungsmittel und alkoholfreie Getr\u00e4nke zeigt. Die 11. GWB-Novelle brachte zudem neue Eingriffsbefugnisse im Anschluss an die Sektoruntersuchung mit sich, die den Handlungsspielraum des Bundeskartellamts erweitern und eine Sektoruntersuchung im Lebensmittelhandel besonders lohnenswert erscheinen l\u00e4sst. Mit ihren Verfahren gegen Alphabet\/Google, Amazon, Apple, Facebook\/Meta und Microsoft hat das <a href=\"https:\/\/www.bundeskartellamt.de\/DE\/DigitalWirtschaft\/VerfahrenGegenGrosseDigitalkonzerne\/verfahrengegengrossedigitalkonzerne_node.html\">Bundeskartellamt gezeigt<\/a> , dass es neue Instrumente ambitioniert anwenden kann.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"474\" src=\"https:\/\/marita-wiggerthale.de\/wp-content\/uploads\/2026\/01\/Statista_Verbraucherindex_NM-1024x474.png\" alt=\"\" class=\"wp-image-1285\" srcset=\"https:\/\/marita-wiggerthale.de\/wp-content\/uploads\/2026\/01\/Statista_Verbraucherindex_NM-1024x474.png 1024w, https:\/\/marita-wiggerthale.de\/wp-content\/uploads\/2026\/01\/Statista_Verbraucherindex_NM-300x139.png 300w, https:\/\/marita-wiggerthale.de\/wp-content\/uploads\/2026\/01\/Statista_Verbraucherindex_NM-768x356.png 768w, https:\/\/marita-wiggerthale.de\/wp-content\/uploads\/2026\/01\/Statista_Verbraucherindex_NM-1536x712.png 1536w, https:\/\/marita-wiggerthale.de\/wp-content\/uploads\/2026\/01\/Statista_Verbraucherindex_NM.png 1908w\" sizes=\"auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<p class=\"has-medium-font-size\"><strong>Schlussbemerkungen<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Das wertvolle Sondergutachten der Monopolkommission enth\u00e4lt jede Menge \u201efood for thought\u201c. Es juckt mir in den Fingern, noch ihre Analyse zu den Weltmarktpreisen zu beleuchten oder zu beschreiben, warum verpflichtende, <a href=\"https:\/\/marita-wiggerthale.de\/index.php\/2025\/03\/01\/alles-fair-oder-was\/\">schriftliche Vertr\u00e4ge<\/a> f\u00fcr landwirtschaftlichen Betriebe &#8211; insbesondere im Milchbereich &#8211; wichtig sind. Bei ihrer Bewertung des spanischen Verbots des Einkaufs unter Produktionskosten, mit dem faire Erzeugerpreise erreicht werden sollen, wurde offensichtlich das Urteil des <a href=\"https:\/\/www.poderjudicial.es\/cgpj\/es\/Poder-Judicial\/Tribunal-Supremo\/Noticias-Judiciales\/El-Tribunal-Supremo-desestima-el-recurso-de-la-Federacion-de-Industrias-Lacteas-contra-el-Real-Decreto-que-obliga-a-que-el-precio-cubra-el-coste-de-la-produccion\">Obersten Gerichtshofs<\/a> vom 26. Juni 2024 nicht ber\u00fccksichtgt. Das spanische Gericht best\u00e4tigte, dass diese Ma\u00dfnahme aus europarechtlicher und verfassungsrechtlicher Sicht verh\u00e4ltnism\u00e4\u00dfig ist. Es betonte, dass auch unter dem Gesichtspunkt der verfassungsrechtlich garantierten unternehmerischen Freiheit nicht davon ausgegangen werden kann, dass die fragliche Ma\u00dfnahme mit Blick auf das verfolgte Ziel unzumutbar und unangemessen ist. Die Verpflichtung, dass der Preis die tats\u00e4chlichen Produktionskosten decken muss, verfolge das legitime Ziel, unlautere Praktiken zum Nachteil des schw\u00e4chsten Glieds der Kette, der Erzeuger, zu verhindern. Daher sei das Verbot eine geeignete Ma\u00dfnahme, um ihre Verhandlungsmacht zu st\u00e4rken, eine echte Verhandlungsfreiheit und einen wirksamen Wettbewerb zu erreichen. Die Freiheit der Preisverhandlung werde eingeschr\u00e4nkt, aber nicht ausgeschaltet, um das Funktionieren der Lebensmittelkette zu verbessern.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Monopolkommission weist darauf hin, dass der deutsche Zuckermarkt nicht funktioniert. Es dr\u00e4ngt sich die Frage auf, warum dies bislang keinerlei Konsequenzen hat. Man sollte meinen, das w\u00e4re ein Fall f\u00fcr das Bundeskartellamt. Unterst\u00fctzenswert ist der Vorschlag, ex-post Untersuchungen von Fusionen durchzuf\u00fchren. Daf\u00fcr sollte die Personalaustattung der Monopolkommission verbessert werden. Das Sondergutachten fokussiert sich verst\u00e4ndlicherweise auf eine \u00f6konomische Betrachtung. Interessant w\u00e4re eine Verkn\u00fcpfung des Sondergutachtens mit der Studie von Haucap, Podszun et al. <a href=\"https:\/\/www.bundeswirtschaftsministerium.de\/Redaktion\/DE\/Publikationen\/Studien\/studie-wettbewerb-und-nachhaltigkeit.html\">Wettbewerb und Nachhaltigkeit in Deutschland und der EU<\/a>. Die agrarpolitische Debatte braucht dringend Impulse, um Nachhaltigkeit wieder in den Vordergrund zu r\u00fccken. Aktuell droht ein <a href=\"https:\/\/www.linkedin.com\/posts\/marita-wiggerthale-913731b9_braesssel-berlin-kahlschlag-activity-7407797922299371520-RpPa?utm_source=share&amp;utm_medium=member_android&amp;rcm=ACoAABkz4t8BeaV9BGzd0D6Hu6Q9235J97sXc3o\">\u00f6kologischer Kahlschlag<\/a> sondergleichen, insbesondere in Br\u00fcssel, aber auch in Berlin. B\u00fcndnisse der Christdemokraten und Konservativen, also der Europ\u00e4ischen Volkspartei (EVP), mit Rechten und Rechtsextremen machen es m\u00f6glich. Am 16. Dezember 2025 setzte die EVP erstmals ein gro\u00dfes Gesetz mit ihnen durch. Die Lieferkettenrichtlinie wurde entkernt. In diesen Zeiten ist es besonders wichtig, die <a href=\"https:\/\/marita-wiggerthale.de\/index.php\/2023\/11\/26\/soziale-ungleichheit-ein-blinder-fleck-im-kartellrecht\/\" data-type=\"link\" data-id=\"https:\/\/marita-wiggerthale.de\/index.php\/2023\/11\/26\/soziale-ungleichheit-ein-blinder-fleck-im-kartellrecht\/\">soziale Ungleichheit <\/a>zu reduzieren, den notwendigen Umbau hin zu einer \u00f6ko-sozialen Marktwirtschaft voranzutreiben und die Weichen f\u00fcr eine zukunftsf\u00e4hige Land- und Ern\u00e4hrungswirtschaft zu stellen.<\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Supermarktketten und \u2013 teilweise &#8211; die Lebensmittelhersteller hauen uns \u00fcbers Ohr. Das ist jetzt quasi amtlich von der Monopolkommission best\u00e4tigt. Am 21. 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