{"id":945,"date":"2024-08-25T20:52:41","date_gmt":"2024-08-25T20:52:41","guid":{"rendered":"https:\/\/marita-wiggerthale.de\/?p=945"},"modified":"2026-01-03T18:56:47","modified_gmt":"2026-01-03T18:56:47","slug":"was-tun-gegen-lebensmittelinflation","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/marita-wiggerthale.de\/index.php\/2024\/08\/25\/was-tun-gegen-lebensmittelinflation\/","title":{"rendered":"Was tun gegen Lebensmittelinflation?"},"content":{"rendered":"\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"570\" src=\"https:\/\/marita-wiggerthale.de\/wp-content\/uploads\/2024\/08\/Inflation_Lebensmittel-1024x570.png\" alt=\"\" class=\"wp-image-946\" srcset=\"https:\/\/marita-wiggerthale.de\/wp-content\/uploads\/2024\/08\/Inflation_Lebensmittel-1024x570.png 1024w, https:\/\/marita-wiggerthale.de\/wp-content\/uploads\/2024\/08\/Inflation_Lebensmittel-300x167.png 300w, https:\/\/marita-wiggerthale.de\/wp-content\/uploads\/2024\/08\/Inflation_Lebensmittel-768x428.png 768w, https:\/\/marita-wiggerthale.de\/wp-content\/uploads\/2024\/08\/Inflation_Lebensmittel.png 1451w\" sizes=\"auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<p><br>Mitte August macht <a href=\"https:\/\/mailchi.mp\/press.kamalaharris.com\/vice-president-harris-lays-out-agenda-to-lower-costs-for-american-families\">Vize-Pr\u00e4sidentin Kamala Harris<\/a> Schlagzeilen in den USA. Sie k\u00fcndigt einen Wirtschaftsplan an, der die Lebenshaltungskosten f\u00fcr Familien senken soll. Nicht ohne Grund, die Lebenshaltungskosten sind seit Corona und mit Beginn des Kriegs in der Ukraine stark gestiegen. Wirtschaftlich benachteiligte Haushalte sind besonders betroffen, auch in Deutschland. <a href=\"https:\/\/www.vzbv.de\/pressemitteilungen\/teurer-einkaufskorb-massnahmen-gegen-steigende-lebensmittelpreise\">Bereits im April 2023<\/a> gaben 44 Prozent von befragten Verbraucher*innen an, dass sie bei Lebensmitteln sparen. Die Ern\u00e4hrungsarmut versch\u00e4rfte sich. Die Preiserh\u00f6hung hatte in <a href=\"https:\/\/www.destatis.de\/DE\/Presse\/Pressemitteilungen\/2024\/01\/PD24_020_611.html\">2022 und 2023<\/a> mit 12,4 Prozent bzw. 13,4 Prozent deutlich \u00fcber der Gesamtteuerung gelegen. W\u00e4hrend es hierzulande <a href=\"https:\/\/www.destatis.de\/DE\/Themen\/Wirtschaft\/Preise\/Verbraucherpreisindex\/aktuell-energie.html\">keine<\/a> direkten Ma\u00dfnahmen gab und das Bundeskartellamt unt\u00e4tig blieb, interessiert mich, was die Politik oder Kartellbeh\u00f6rden in anderen L\u00e4ndern unternommen haben. Im Fokus: die Lebensmittelkette.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>USA: Mehr Fairness ist eine Priorit\u00e4t von Biden<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Am 5. Juli 2021 unterzeichnete Pr\u00e4sident Biden eine <a href=\"https:\/\/www.whitehouse.gov\/briefing-room\/statements-releases\/2021\/07\/09\/fact-sheet-executive-order-on-promoting-competition-in-the-american-economy\/\">Executive Order<\/a>, um ressort\u00fcbergreifend den Wettbewerb zu f\u00f6rdern (\u201ewhole government approach\u201c). Um niedrigere Lebensmittelpreise f\u00fcr Verbraucher*innen und fairere Preise f\u00fcr Landwirt*innen zu erzielen, hat das USDA <a href=\"https:\/\/www.whitehouse.gov\/competition\/\">30 Ma\u00dfnahmen<\/a> ergriffen. Darunter <a href=\"https:\/\/www.usda.gov\/media\/press-releases\/2024\/06\/25\/usda-delivering-its-commitment-fair-competitive-and-transparent\">zum Beispiel:<\/a><\/p>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\">\n<li>Reformen des Packers and Stockyards Act (z.B. Definition von <a href=\"https:\/\/www.usda.gov\/media\/press-releases\/2024\/06\/25\/usda-proposes-new-rule-clarify-unfair-practices-livestock-meat-and\">\u201eunfair\u201c<\/a>, transparente <a href=\"https:\/\/www.openmarketsinstitute.org\/publications\/new-usda-ruling-on-packers-stockyards-act\">Grundverg\u00fctung<\/a>, <a href=\"https:\/\/www.openmarketsinstitute.org\/publications\/open-markets-claire-kelloway-applauds-usdas-improved-protections-for-farmers-under-the-packers-stockyards-act\">Schutz<\/a> vor Vergeltung). Das Gesetz sch\u00fctzt tierhaltende Betriebe, Verbraucher*innen und kleine Verarbeiter vor marktm\u00e4chtigen Fleisch- und Gefl\u00fcgelkonzernen;<\/li>\n\n\n\n<li>eine verbesserte Herkunftskennzeichnung und Untersuchungen im D\u00fcngemittelmarkt und im Lebensmitteleinzelhandel;<\/li>\n\n\n\n<li>ein Programm zur F\u00f6rderung einer resilienten <a href=\"https:\/\/www.ams.usda.gov\/services\/grants\/rfsi\">Ern\u00e4hrungssysteminfrastruktur<\/a>, das mit 420 Mio. US$ insbesondere kleinere Betriebe und Unternehmen im Bereich der Lebensmittelverarbeitung f\u00f6rdert.<\/li>\n<\/ul>\n\n\n\n<p>Ende Dezember 2023 wurden neue <a href=\"https:\/\/www.ftc.gov\/news-events\/news\/press-releases\/2023\/12\/federal-trade-commission-justice-department-release-2023-merger-guidelines\">Fusions-Leitlinien<\/a> ver\u00f6ffentlicht. Im Februar 2024 <a href=\"https:\/\/ilsr.org\/articles\/statement-ftc-lawsuit-blocking-kroger-albertsons-merger\/\">verbot die FTC<\/a> die \u00dcbernahme der Supermarktkette Albertsons durch Kroger. Sie ver\u00f6ffentlichte im M\u00e4rz 2024 einen Bericht zu gest\u00f6rten <a href=\"https:\/\/www.ftc.gov\/news-events\/news\/press-releases\/2024\/03\/ftc-releases-report-grocery-supply-chain-disruptions\">Lebensmittelketten<\/a> im Zuge der Corona-Pandemie. Im Mai 2024 fand im Senat ein <a href=\"https:\/\/www.banking.senate.gov\/hearings\/protecting-consumers-pocketbooks-lowering-food-prices-and-combatting-corporate-price-gouging-and-consolidation\">Hearing<\/a> zu Lebensmittelpreisen und Marktkonzentration statt. Die FTC plant den <a href=\"https:\/\/www.morganlewis.com\/pubs\/2024\/04\/federal-trade-commission-and-members-of-congress-signal-revitalized-robinson-patman-act-enforcement\">Robinson-Patman Act<\/a> wiederzubeleben, der kleinere Unternehmen vor diskriminierender Preissetzung sch\u00fctzt. Der Ausgang der FTC-Untersuchung <a href=\"https:\/\/ilsr.org\/articles\/in-the-nation-the-ftc-lawsuit-against-amazon-is-the-biggest-antitrust-fight-of-our-time\/\">gegen Amazon<\/a> ist noch offen, sie k\u00f6nnte im besten Fall damit enden, die Marktmacht von Amazon zu brechen. Vize-Pr\u00e4sidentin Harris k\u00fcndigte an, das erste bundesweite <a href=\"https:\/\/mailchi.mp\/press.kamalaharris.com\/vice-president-harris-lays-out-agenda-to-lower-costs-for-american-families\">Verbot der Preisabzocke<\/a> bei Lebensmitteln und neue Regeln einzuf\u00fchren, damit gro\u00dfe Konzerne nicht exzessive Gewinne auf Kosten der Verbraucher*innen erzielen k\u00f6nnen. Von <a href=\"https:\/\/www.accc.gov.au\/system\/files\/supermarkets-inquiry-issues-paper_0.pdf?ref=0&amp;download=y\">Preisabzocke<\/a> wird gesprochen, wenn Preise und Gewinnspannen als unangemessen hoch angesehen werden (oder h\u00f6her sind, als man in einem wettbewerblich funktionierenden Markt erwarten w\u00fcrde). In einem <a href=\"https:\/\/www.warren.senate.gov\/imo\/media\/doc\/2024.05.13%20Letter%20to%20Biden%20Admin%20on%20Food%20Prices1.pdf\"><u>offenen Brief <\/u><\/a> fordern 40 Kongressabgeordnete &#8211; <a href=\"https:\/\/www.warren.senate.gov\/newsroom\/press-releases\/warren-mcgovern-lawmakers-to-president-biden-use-executive-authority-to-lower-food-prices\">unterst\u00fctzt <\/a>von mehreren Organisationen &#8211; Biden auf, seine Exekutivmacht zu nutzen, um die Lebensmittelpreise zu senken.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Kanada: Gute Empfehlungen aus dem Parlament<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Der St\u00e4ndige Agri-Food Ausschuss des Unterhauses hat im Juni 2023 seinen <a href=\"https:\/\/www.ourcommons.ca\/Content\/Committee\/441\/AGRI\/Reports\/RP12503602\/agrirp10\/agrirp10-e.pdf\">Bericht zur Lebensmittel-inflation<\/a> mit 13 Empfehlungen ver\u00f6ffentlicht. Die Abgeordneten wollen ebenso wie in den USA einen \u201ewhole government approach\u201c einf\u00fchren und daf\u00fcr ein Lieferkettenb\u00fcro einrichten. Die Wettbewerbsbeh\u00f6rde arbeitet an einer <a href=\"https:\/\/competition-bureau.canada.ca\/how-we-foster-competition\/education-and-outreach\/market-study-notice-competition-canadas-grocery-sector#sec04\">Marktstudie<\/a>, um wettbewerbsf\u00f6rdernde Ma\u00dfnahmen zu identifizieren, die hohe Lebensmittelpreise bek\u00e4mpfen. Wenn die Studie ergeben sollte, dass die Super-marktketten exzessive Gewinne erzielen, soll die kanadische Regierung eine \u00dcbergewinnsteuer f\u00fcr gro\u00dfe, preisbestimmende Konzerne in Erw\u00e4gung ziehen, so der St\u00e4ndige Ausschuss. W\u00e4hrend der Anh\u00f6rung \u00e4u\u00dferten einige ihre Unzufriedenheit mit der Arbeit der Kartellbeh\u00f6rde, mehrere verwiesen positiv auf die FTC. Allerdings hat die Kartellbeh\u00f6rde in Kanada bislang auch nicht wie das Bundeskartellamt das Recht, Ausk\u00fcnfte und Unterlagen von Unternehmen und Unternehmensvereinigungen verlangen zu k\u00f6nnen. Empfohlen wird dar\u00fcber hinaus, die Einrichtung einer Preisbeobachtungsstelle nach dem Vorbild des franz\u00f6sischen \u201e<a href=\"https:\/\/observatoire-prixmarges.franceagrimer.fr\/\"><em>Observatoire de la formation des prix et des marges des produits alimentaires<\/em><\/a>\u201c zu pr\u00fcfen. Die National Farmers Union (NFU) lobt den Bericht und belegt anhand von Zahlen, dass die<br><a href=\"https:\/\/www.nfu.ca\/wp-content\/uploads\/2023\/04\/NFU_BriefSubmission_AGRI_FoodPriceInflation.pdf\">L\u00fccke<\/a> zwischen Verbraucher- und Erzeugerpreisen immer weiter auseinanderklafft. Als Beispiele sind Brot, Cornflakes, Schweinespeck und Eier aufgef\u00fchrt.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Neuseeland:<\/strong> <strong>Die OECD bezweifelt, dass politische Ma\u00dfnahmen ausreichen<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Mitte November 2020 beauftragt die Regierung die Kartellbeh\u00f6rde mit einer <a href=\"https:\/\/comcom.govt.nz\/__data\/assets\/pdf_file\/0024\/278403\/Market-Study-into-the-retail-grocery-sector-Final-report-8-March-2022.pdf\">Marktstudie<\/a> zum Lebensmitteleinzel\u00adhandel inkl. der Preis- und Einkaufspolitik der gro\u00dfen Supermarktketten. In Neuseeland gibt es praktisch ein Duopol, das bereits jahrelang mehr als 90 Prozent des Lebensmittelmarktes kontrolliert. Auch die <a href=\"https:\/\/www.oecd.org\/content\/dam\/oecd\/en\/publications\/reports\/2024\/08\/revamping-competition-in-new-zealand_c0022411\/8bbbad04-en.pdf\">OECD<\/a> merkt kritisch an, dass die beiden Supermarktketten infolgedessen von den Verbraucher*innen h\u00f6here Preise verlangen (Oligopolmacht) und ihre Nachfragemacht (Oligopson) ausnutzen k\u00f6nnen, indem sie Kosten und Risiken auf Lieferanten abw\u00e4lzen und ihnen mit Auslistung drohen. Nach der Marktstudie wurde im Juli 2023 <a href=\"https:\/\/www.oecd.org\/content\/dam\/oecd\/en\/publications\/reports\/2024\/08\/revamping-competition-in-new-zealand_c0022411\/8bbbad04-en.pdf\">eine Reform<\/a> in Kraft gesetzt. Sie f\u00fchrt eine neue Regulierungsbeh\u00f6rde ein (\u201e<a href=\"https:\/\/comcom.govt.nz\/__data\/assets\/pdf_file\/0018\/322047\/Open-letter-to-the-grocery-sector-Commencement-of-the-Grocery-Industry-Competition-Act-2023.pdf\">Grocery Commissioner<\/a>\u201c), verbessert f\u00fcr unabh\u00e4ngige Einzelh\u00e4ndler den Zugang zum Gro\u00dfhandel und f\u00fchrt einen verbindlichen Verhaltenskodex wie in Gro\u00dfbritannien ein.<\/p>\n\n\n\n<p>Die <a href=\"https:\/\/www.oecd.org\/content\/dam\/oecd\/en\/publications\/reports\/2024\/08\/revamping-competition-in-new-zealand_c0022411\/8bbbad04-en.pdf\">OECD bezweifelt<\/a>, dass diese Ma\u00dfnahmen ausreichen werden. Strengere Ma\u00dfnahmen k\u00f6nnten sich als gerechtfertigt erweisen, seien aber aufw\u00e4ndig und komplex. Zum Beispiel ein Aufbrechen des Duopols durch einen erzwungenen Verkauf von Marken oder eine Trennung der Gro\u00df- und Einzelhandelssparten bzw. der vorgelagerten Erzeuger und Hersteller, die ihnen geh\u00f6ren, Eine Kosten-Nutzen-Analyse, die von der Regierung in Auftrag gegeben wurde, h\u00e4tte ergeben, dass die Gesamtauswirkungen der Ver\u00e4u\u00dferung ungewiss seien und m\u00f6glicherweise zu Nettovorteilen oder Nettoverlusten f\u00fchren w\u00fcrden. Diese Analyse sollte gem\u00e4\u00df OECD weiterentwickelt und verfeinert werden und k\u00f6nnte in Ermangelung einer messbaren Verbesserung verwendet werden. Die Kartellbeh\u00f6rde selbst lehnt eine Entflechtung ab. Unterst\u00fctzung erh\u00e4lt die OECD von <a href=\"https:\/\/comcom.govt.nz\/__data\/assets\/pdf_file\/0023\/265811\/Monopoly-Watch-NZ-Submission-on-Market-study-into-grocery-sector-draft-report-26-August-2021.pdf\">Monopoly Watch<\/a>. Sie schlagen vor, Woolworths NZ in zwei Teile aufzuteilen (durch R\u00fcckabwicklung der Fusion von 2005) und Foodstuffs in Nord und S\u00fcd. Erst durch eine strukturelle Trennung k\u00f6nnte wieder ein funktionierender Markt entstehen. Voraussetzung sei, dass mehr regionale Konzentrationsanalysen vorl\u00e4gen.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"682\" src=\"https:\/\/marita-wiggerthale.de\/wp-content\/uploads\/2024\/08\/Euro_Flugzeug-1-1024x682.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-960\" srcset=\"https:\/\/marita-wiggerthale.de\/wp-content\/uploads\/2024\/08\/Euro_Flugzeug-1-1024x682.jpg 1024w, https:\/\/marita-wiggerthale.de\/wp-content\/uploads\/2024\/08\/Euro_Flugzeug-1-300x200.jpg 300w, https:\/\/marita-wiggerthale.de\/wp-content\/uploads\/2024\/08\/Euro_Flugzeug-1-768x512.jpg 768w, https:\/\/marita-wiggerthale.de\/wp-content\/uploads\/2024\/08\/Euro_Flugzeug-1.jpg 1280w\" sizes=\"auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<p><strong>Belgien will die Kontrolle der Lebensmittelketten versch\u00e4rfen<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Am 8. M\u00e4rz 2024 wurde ein <a href=\"https:\/\/www.belgiancompetition.be\/sites\/default\/files\/content\/download\/files\/55K3889001.pdf\">Gesetzentwurf<\/a> eingebracht, um die Lebensmittelkette st\u00e4rker zu kontrollieren. In Belgien gibt es seit 2009 eine Preisbeobachtungsstelle. Nun wird vorgeschlagen, dass diese Stelle Anfragen von Berufsverb\u00e4nden und Verbraucherorganisationen zuk\u00fcnftig pr\u00fcfen muss und ggf. einen Bericht an den Wirtschaftsminister und die Kartellbeh\u00f6rde \u00fcbermittelt. Der K\u00f6nig soll f\u00fcr sechs Monate preisliche Ma\u00dfnahmen ergreifen k\u00f6nnen, 1) um einen \u201eschweren, unmittelbaren und schwer zu behebenden Schaden abzuwenden und um Situationen zu vermeiden, die 2) eine angemessene Entlohnung innerhalb der Lebensmittelkette oder 3) die Kaufkraft der Verbraucher*innen beeintr\u00e4chtigen oder 4) dem allgemeinen wirtschaftlichen Interesse schaden.<\/p>\n\n\n\n<p>Teile vom franz\u00f6sischen Lebensmittelkettengesetz EGalim 1 (30.10.2018) und EGalim 2 (18.10.2021) sollen ins belgische Recht \u00fcbertragen werden. Die Lieferanten k\u00f6nnen sich in Zukunft auf die Studien und Ver\u00f6ffentlichun\u00adgen der Preisbeobachtungsstelle st\u00fctzen, wenn sie ihre Preise verhandeln. Lieferanten haben zudem das Recht, zuerst einen Preis vorzuschlagen und einen schriftlichen Vertrag zu erhalten, der mindestens ein Jahr dauert. Missachtungen dieser Rechte des Lieferanten sollen in Zukunft mit Bu\u00dfgeldern in H\u00f6he von zwei Prozent des Umsatzes geahndet werden k\u00f6nnen.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Liste der verbotenen Handelspraktiken wird um ein Verbot erweitert. Zuk\u00fcnftig d\u00fcrfen K\u00e4ufer von ihren Lieferanten nicht verlangen, ihre Agrarprodukte und Lebensmittel mit Verlust zu verkaufen. Die Liste der \u201egrauen Handelspraktiken\u201c wird erweitert. Der Verkauf von Angeboten \u201e1 und 1 gratis\u201c sowie von \u201edas zweite mit 50 Prozent Rabatt\u201c w\u00fcrden keine gerechte Entlohnung der Lieferanten erm\u00f6glichen. Graue Handelspraktiken sind gem\u00e4\u00df der EU-Richtlinie zu unlauteren Handelspraktiken verboten, wenn sie nicht zuvor klar und eindeutig zwischen K\u00e4ufer und Lieferanten vereinbart wurden.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Australien: Der Gewerkschaftsbund macht Preisabzocke zum Thema<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>In Australien machte der Gewerkschaftsbund ACTU im Januar 2024 Druck auf die Politik. Er informierte den Finanzminister <a href=\"https:\/\/www.abc.net.au\/news\/2024-02-05\/price-gouging-grocery-prices-energy-bills-airfares-inquiry-actu\/103420574\">vorab<\/a> \u00fcber ihre Studie \u201e<a href=\"https:\/\/pricegouginginquiry.actu.org.au\/wp-content\/uploads\/2024\/02\/InquiryIntoPriceGouging_Report_web.pdf\">Preisabzocke und unfaire Praktiken bei der Preissetzung<\/a>\u201c und ihre Forderung nach einer Untersuchung der Preise im Lebensmittelhandel, Die Folge: Die Regierung beauftragte die Kartellbeh\u00f6rde mit einer Untersuchung der Supermarktketten, die letzte zur Lebensmittelbranche war schon aus dem Jahr 2008. Bis Anfang April 2024 konnten alle Interessierten eine Stellungnahme abgeben und auf die <a href=\"https:\/\/www.accc.gov.au\/system\/files\/supermarkets-inquiry-issues-paper_0.pdf?ref=0&amp;download=y\">Leitfragen<\/a> der Kartellbeh\u00f6rde antworten. Die Ergebnisse der Untersuchung sollen am 28.2.2025 vorliegen. Die zwei gr\u00f6\u00dften Supermarktketten Woolworths und Coles haben einen <a href=\"https:\/\/www.huntexportadvice.com\/post\/australia-market-overview-2021\">Marktanteil von 65 Prozent<\/a>,  gefolgt von Aldi mit 10 Prozent und Metcash mit 7 Prozent.<\/p>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\">\n<p style=\"font-size:16px\">\u201eDie Supermarktpreise steigen wie Raketen und fallen wie Federn\u201c<\/p>\n<\/blockquote>\n\n\n\n<p>Im <a href=\"https:\/\/pricegouginginquiry.actu.org.au\/wp-content\/uploads\/2024\/02\/InquiryIntoPriceGouging_Report_web.pdf\">ATUC-Bericht<\/a> werden zwei Probleme benannt: 1) Die Supermarktketten geben steigende Erzeugerpreise schnell und fallende Erzeugerpreise langsam an die Verbraucher*innen weiter. Aufgrund ihrer Marktmacht k\u00f6nnen die Supermarktketten die Preise beim Einkauf und Verkauf von Lebensmitteln setzen. 2) Die Landwirte haben oft nur einen begrenzten Einblick in die Endpreise und die Margen, die von Verarbeitern und Supermarktketten aufgeschlagen werden. Ohne dieses Wissen sind sie benachteiligt und k\u00f6nnen nicht effektiv faire Preise verhandeln. Verbraucherorganisationen und Regulierungsbeh\u00f6rden fehlen diese Informationen, um gegen unfaire Praktiken im Markt vorgehen zu k\u00f6nnen. Die Eink\u00e4ufer der Supermarktketten haben nahezu perfekte Informationen, sie k\u00f6nnen die Preisunterschiede ausnutzen. Landwirte k\u00f6nnen es nicht. Es ist nahezu unm\u00f6glich f\u00fcr sie zu wissen, ob ihr Preis fair ist oder nicht. Verbraucher*innen sind h\u00f6heren Preisen ausgesetzt, sie k\u00f6nnen die Kosten- und Preisstrukturen nicht durchschauen. In Australien sind f\u00fcr ganze 42 Prozent der befragten Haushalte, die steigenden Lebensmittelkosten <a href=\"https:\/\/www.accc.gov.au\/system\/files\/supermarkets-inquiry-issues-paper_0.pdf?ref=0&amp;download=y\">der gr\u00f6\u00dfte finanzielle Stressfaktor<\/a>.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Spanien senkt die Mehrwertsteuer f\u00fcr Lebensmittel<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Seit dem 1. Januar 2023 hat die Regierung die <a href=\"https:\/\/www.lamoncloa.gob.es\/serviciosdeprensa\/notasprensa\/hacienda\/Paginas\/2023\/090123-bajada-iva-alimentos.aspx\">Mehrwertsteuer<\/a> f\u00fcr Lebensmittel, die bereits dem erm\u00e4\u00dfigten Steuersatz von 4 Prozent unterliegen, abgeschafft und die Mehrwertsteuer f\u00fcr \u00d6le, einschlie\u00dflich Oliven\u00f6l und Teigwaren, von 10 Prozent auf 5 Prozent abgesenkt. Am 25. Juni 2024 verl\u00e4ngerte der Ministerrat die Ma\u00dfnahme auf das ganze Jahr und senkte den Mehrwertsteuersatz f\u00fcr Oliven\u00f6l auf null. Der erm\u00e4\u00dfigte Steuersatz von 4 Prozent gilt f\u00fcr Brot, Mehl, Milchprodukte, Eier, Obst, Gem\u00fcse, H\u00fclsenfr\u00fcchte und Fr\u00fchst\u00fccksflocken. Die <a href=\"https:\/\/www.cnmc.es\/sites\/default\/files\/4840416.pdf\">Kartellbeh\u00f6rde<\/a> hat im Auftrag der Regierung untersucht, ob der Lebensmitteleinzelhandel die Mehrwertsteuersenkung auch an die Verbraucher*innen weitergegeben hat. Gem\u00e4\u00df der im Juli 2023 ver\u00f6ffentlichten Studie gab es keine systematischen Hinweise, dass die Preise an die Verbraucher*innen nicht weitergegeben wurden, unabh\u00e4ngig wie hoch die regionalen M\u00e4rkte konzentriert waren. Im Juli 2024 kritisierten einige Verbraucher\u00adverb\u00e4nde, dass die Supermarktketten nach der Verl\u00e4ngerung der Abschaffung bzw. Erm\u00e4\u00dfigung der Mehrwertsteuer <a href=\"https:\/\/www.larazon.es\/economia\/consumo-amenaza-super-seran-perseguidos-sancionados-inflan-sus-margenes-gracias-rebaja-iva_202407036685201a855de900016e61dd.html\">die Preise erh\u00f6ht<\/a> h\u00e4tten. Der f\u00fcr den Verbraucherschutz zust\u00e4ndige Minister Bustinduy hat eine Untersuchung in der Lebensmittelkette eingeleitet. Es sei inakzeptabel, dass es in Spanien Landwirte gebe, die unter ihren Produktionskosten verkauften, w\u00e4hrend sich gleichzeitig Familien kein Oliven\u00f6l mehr leisten k\u00f6nnten.<\/p>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\">\n<p style=\"font-size:14px\"><strong>Das Verbot des Einkaufs unter Produktionskosten<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p style=\"font-size:14px\">In Spanien gibt es seit Dezember 2021 ein gesetzliches Verbot des Einkaufs unter Produktionskosten. <\/p>\n\n\n\n<p style=\"font-size:14px\">Der <a href=\"https:\/\/www.poderjudicial.es\/cgpj\/es\/Poder-Judicial\/Tribunal-Supremo\/Noticias-Judiciales\/El-Tribunal-Supremo-desestima-el-recurso-de-la-Federacion-de-Industrias-Lacteas-contra-el-Real-Decreto-que-obliga-a-que-el-precio-cubra-el-coste-de-la-produccion\">Oberste Gerichtshof<\/a> best\u00e4tigt am 26. Juni 2024, dass dieses Verbot aus europarechtlicher und verfassungsrechtlicher Sicht verh\u00e4ltnism\u00e4\u00dfig ist. Er betont, dass auch unter dem Gesichtspunkt der verfassungsrechtlich garantierten unternehmerischen Freiheit nicht davon ausgegangen werden kann, dass die fragliche Ma\u00dfnahme mit Blick auf das verfolgte Ziel unzumutbar und unangemessen ist. Die Verpflichtung, dass der Preis die tats\u00e4chlichen Produktionskosten decken muss, verfolge das legitime Ziel, unlautere Praktiken zum Nachteil des schw\u00e4chsten Glieds der Kette, der Erzeuger, zu verhindern. Daher sei das Verbot eine geeignete Ma\u00dfnahme, um ihre Verhandlungsmacht zu st\u00e4rken, eine echte Verhand-lungsfreiheit und einen wirksamen Wettbewerb zu erreichen. Die Freiheit der Preisverhandlung werde einschr\u00e4nkt, aber nicht ausschaltet, um das Funktionieren der Lebensmittelkette zu verbessern. Letzt-endlich sei das Ziel, einen angemessenen Lebensstan\u00addard f\u00fcr die Milcherzeuger zu erreichen. Ziele, die sowohl durch europ\u00e4isches Recht als auch durch den verfassungsrechtlichen Rahmen vollst\u00e4ndig gesch\u00fctzt seien. Im Berufungsverfahren hatte der Milchindustriever\u00adband FeNIL gegen die Bauernorganisationen COAG, UPA und den katalonischen Bauernverband geklagt. Dieses Urteil des Obersten Gerichtshofs ist nicht nur ein wichtiger Erfolg f\u00fcr Landwirt*innen in Spanien. Es ist auch wegweisend f\u00fcr Br\u00fcssel und alle EU-Mitgliedsstaaten.<\/p>\n<\/blockquote>\n\n\n\n<p>Das 2021 ge\u00e4nderte Lebensmittelkettengesetz <a href=\"https:\/\/www.mapa.gob.es\/es\/prensa\/240214lplanasobservatoriocadena_tcm30-675245.pdf\">funktioniert<\/a>, die Preise der Landwirte steigen, erkl\u00e4rt Landwirtschaftsminister Planas. In Zukunft soll das Gesetz noch st\u00e4rker \u00fcberwacht werden. Es soll mehr Personal, mehr Inspektionen, mehr Untersuchungen geben. Dies hatte der Pr\u00e4sident Sanchez bereits angek\u00fcndigt. Die Ombudsstelle AICA soll in Zukunft in eine staatliche Beh\u00f6rde mit einer gest\u00e4rkten Struktur umgewandelt werden. Ihr Schwerpunkt wird 2024 auf Preis\u00e4nderungen in Form von nicht zuvor vereinbarten Rabatten und auf Auftragsstornierungen liegen. Die AICA hatte im Jahr 2023 2.371 Lieferbeziehungen untersucht und <a href=\"https:\/\/www.mapa.gob.es\/es\/prensa\/ultimas-noticias\/luis-planas-la-aica-ser%C3%A1-una-agencia-estatal-con-mayor-estructura-para-reforzar-el-control-de-la-cadena-alimentaria\/tcm:30-679558\">382 Sanktionen<\/a> verh\u00e4ngt. Das sind 59,4 % bzw. 40,4 % mehr als im Vorjahr. 48 Prozent der Sanktionen beziehen sich auf die Nichteinhaltung von Zahlungszielen, vor allem im Gro\u00dfhandel. Seit dem 30. Juni 2023 gibt es auch die Pflicht, schriftliche Vertr\u00e4ge mit Landwirten und Erzeugergemeinschaften <a href=\"https:\/\/www.aica.gob.es\/faqs-sobre-el-registro-de-contratos-alimentarios\/\">zu registrieren<\/a>. Das Register ist zu einem &#8222;entscheidenden Instrument&#8220; f\u00fcr die Kontrollt\u00e4tigkeit der AICA geworden.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-full\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"752\" height=\"502\" src=\"https:\/\/marita-wiggerthale.de\/wp-content\/uploads\/2024\/08\/Europaeische-Union-1.png\" alt=\"\" class=\"wp-image-948\" srcset=\"https:\/\/marita-wiggerthale.de\/wp-content\/uploads\/2024\/08\/Europaeische-Union-1.png 752w, https:\/\/marita-wiggerthale.de\/wp-content\/uploads\/2024\/08\/Europaeische-Union-1-300x200.png 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 752px) 100vw, 752px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<p><strong>Europ\u00e4ische Union: Studien und Untersuchungen in mehreren L\u00e4ndern<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Anfang 2022 stiegen die Lebensmittelpreise in der EU rasant an. Ihren H\u00f6hepunkt erreichte die Inflationsrate f\u00fcr Lebensmittel mit gut <a href=\"https:\/\/www.statista.com\/statistics\/680184\/inflation-rate-food-in-european-union-eu\/\">19 Prozent<\/a> im M\u00e4rz 2023, betrug aber auch schon im Oktober 2022 <a href=\"https:\/\/commission.europa.eu\/document\/download\/3e370f0d-fabb-4614-bc98-73caac5b5215_en?filename=SWD_2023_4_1_EN_document_travail_service_part1_v2.pdf\">18 Prozent<\/a>. Die hohe Lebensmittelinflation in den letzten Jahren hat zu Studien und Unter-suchungen in <a href=\"https:\/\/www.konkurrensverket.se\/informationsmaterial\/rapportlista\/konkurrensverkets-genomlysning-av-livsmedelsbranschen-20232024\/\">16 europ\u00e4ischen L\u00e4ndern<\/a> gef\u00fchrt.<\/p>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\">\n<li>Sektoruntersuchungen: \u00d6sterreich, Kroatien, Tschechien, Litauen, Slowakei. Slowenien.<\/li>\n\n\n\n<li>Marktuntersuchungen zum Lebensmitteleinzelhandel: Ungarn, Irland, Luxemburg, Norwegen, Island, <a href=\"https:\/\/www.konkurrensverket.se\/en\/news\/the-swedish-competition-authority-can-see-a-risk-for-inadequate-competition-and-unjustified-price-increases-in-the-food-industry\/\">Schweden<\/a><\/li>\n\n\n\n<li>Produktstudien: D\u00e4nemark (Butter, Eier), Lettland (Milchprodukte)<\/li>\n\n\n\n<li>Studien \u00fcber Preisspannen: \u00d6sterreich, Finnland, Litauen, Niederlande, Slowakei, Norwegen.<\/li>\n\n\n\n<li>Studie zur Marktkonzentration in Polen: Sie startete Jahr 2020, d.h. vor der aufsehenerregenden Inflation der letzten Jahre.<\/li>\n<\/ul>\n\n\n\n<p>In Deutschland k\u00fcndigte die <a href=\"https:\/\/www.monopolkommission.de\/images\/Policy_Brief\/MK_Policy_Brief_13.pdf\">Monopolkommission<\/a> im Februar 2024 an, die Lebensmittellieferkette gr\u00fcndlich zu untersuchen. Dabei will sie auch die M\u00f6glichkeit abw\u00e4gen, gem\u00e4\u00df \u00a7 44 Abs. 4 GWB eine Sektoruntersuchung durch das Bundeskartellamt zu empfehlen. Die Ergebnisse sollen im Fr\u00fchjahr 2025 vorliegen.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Abschlie\u00dfende Bemerkungen<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Die Lebensmittelpreise und die Energiepreise haben am meisten die Inflation angetrieben. W\u00e4hrend die Inflation bei Lebensmitteln EU-weit bis zu 19 Prozent betrug, erreichte sie im Oktober 2022 beispielsweise in Sri Lanka 85 Prozent und in der T\u00fcrkei 99 Prozent. Die Zahl der Menschen, die im globalen S\u00fcden Hunger leiden, sind 2023 im Vergleich zu 2019 <a href=\"https:\/\/www.fao.org\/newsroom\/detail\/hunger-numbers-stubbornly-high-for-three-consecutive-years-as-global-crises-deepen--un-report\/en\">um 152 Millionen<\/a> gestiegen. Hierzulande m\u00fcssen wirtschaftlich benachteiligte Haushalte bei Lebensmitteln sparen. Die Ern\u00e4hrungsarmut hat sich versch\u00e4rft. In den L\u00e4ndern mit hoher Marktkonzentration im Lebensmitteleinzelhandel wird verst\u00e4rkt die Rolle der Supermarktketten bei der Lebensmittelinflation zu Recht diskutiert. Die EU-Kommission sollte die Ergebnisse der L\u00e4nderstudien zusammenfassen und ggf. erg\u00e4nzen.<\/p>\n\n\n\n<p>Bei Untersuchungen &#8211; ob von EU-Kommission, Monopolkommission oder Kartellbeh\u00f6rden &#8211; m\u00fcssten folgende Fragen ber\u00fccksichtigt werden: Wie haben sich ge\u00e4nderte Kosten in der Lebensmittelkette auf die Supermarktpreise ausgewirkt? Aktuell und in den letzten 10 Jahren? Wie haben sich die Profite und Margen der Supermarktketten und der Lebensmittelkonzerne in den letzten 10 Jahren ver\u00e4ndert und was waren die Ursachen? Wie wird Nachfragemacht ausge\u00fcbt, welche Auswirkungen hat sie? Wie beeinflusst die vertikale Integration den Wettbewerb und die Preissetzung? Sind die Supermarktpreise, -profite und -margen gestiegen? Wenn ja, sind sie h\u00f6her als in einem wettbewerblich funktionierenden Markt zu erwarten w\u00e4re? Es geht hierbei um die Angebots- UND die Nachfragemacht. Politisch und kartellrechtlich stellt sich die Frage, inwieweit die Preispolitik auf Einkaufsseite einer gerechten Entlohnung von Landwirt*innen, Besch\u00e4ftigten in der Ern\u00e4hrungsindustrie und Verarbeitern entgegensteht.<\/p>\n\n\n\n<p>Vielfach wird die schlechte Datenlage kritisiert. Entweder gibt es die Daten gar nicht oder sie sind zu alt. In nur wenigen L\u00e4ndern gibt es bereits eine Preisbeobachtungsstelle. Das franz\u00f6sische \u201e<a href=\"https:\/\/observatoire-prixmarges.franceagrimer.fr\/\"><em>Observatoire de la formation des prix et des marges des produits alimentaires<\/em><\/a>\u201c gilt vielen als Vorbild, weil es auch die Margen untersucht. Das Machtungleichgewicht betrifft nicht nur die Preise und Margen, sondern auch die zur Verf\u00fcgung stehenden Informationen. Die Supermarktketten haben nahezu perfekte Informationen, auch weil sie selbst \u00fcber landwirtschaftliche Betriebe, verarbeitende Unternehmen oder Importunternehmen verf\u00fcgen (\u201evertikale Integration\u201c). Der australische Gewerkschaftsbund ATUC bringt es auf den Punkt: Landwirt*innen k\u00f6nnen nur effektiv faire Preise verhandeln, wenn sie die Margen kennen. Um gegen unfaire Praktiken im Markt vorgehen zu k\u00f6nnen, brauchen auch die Politik, Regulierungsbeh\u00f6rden und Verbraucherorganisationen diese Informationen.<\/p>\n\n\n\n<p>Die L\u00e4nderbeispiele zeigen, dass verbindliche Regeln f\u00fcr Sektoren bzw. die Lebensmittelkette und das Kartellrecht sich erg\u00e4nzen. Es geht hier nicht um ein entweder oder. Um die Inflation kurz- und mittelfristig zu bek\u00e4mpfen, kann das <a href=\"https:\/\/www.konkurrensverket.se\/en\/knowledge-and-research\/the-pros-and-cons\/the-pros-and-cons-of-fighting-inflation-with-competition-policy\/\">Kartellrecht<\/a> eine komplement\u00e4re Rolle spielen, so Ioannis Lianos, ein europaweit bekannter Kartellrechtler. Agrar- bzw. Lebensmittelpreise und Energiepreise sind systemrelevante Preise. Sie wirken sich direkt auf Haushalte und Unternehmen und indirekt auf andere Preise aus. In diesem Sinne, so Klooster und Weber, haben Preiserh\u00f6hungen in systemrelevanten Sektoren erhebliche <a href=\"https:\/\/www.europarl.europa.eu\/RegData\/etudes\/STUD\/2024\/755727\/IPOL_STU(2024)755727_EN.pdf\">externe Effekte<\/a> auf die monet\u00e4re und makro\u00f6konomische Stabilit\u00e4t. Sie schlagen deswegen im Agrarbereich eine strategische Reserve zur Preisstabilisierung vor. Diese k\u00f6nnte durch eine Kombination von physischen und virtuellen Lagern &#8211; wie von Torero und von Braun 2009 vorgeschlagen &#8211; umgesetzt werden.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Mitte August macht Vize-Pr\u00e4sidentin Kamala Harris Schlagzeilen in den USA. Sie k\u00fcndigt einen Wirtschaftsplan an, der die Lebenshaltungskosten f\u00fcr Familien senken soll. 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